Interkultureller Wandertag der Klassenstufe 9 zur Gedenkstätte KZ Osthofen

Interkultureller Wandertag der Klassenstufe 9 zur Gedenkstätte KZ Osthofen

Überarbeitet aus Vorlagen von Rebecca Damaschke (9a) und Kevin Radulovic (9d)

DSC03978„Do is nix passiert!“, sagt eine ältere Dame, welche nach eigenen Aussagen in einer Videoumfrage die Zeit des Nationalsozialismus selbst erlebt hat. Doch das ist nur die Sichtweise, wie sie von der NSDAP in ihren Propaganda-Zeitungsartikeln der damaligen Zeit dargestellt wurde. Sicher, das KZ Osthofen war kein Vernichtungslager, aber auch hier lag Leid und Unmenschlichkeit an der Tagesordnung. Das wurde der Klassenstufe 9 der Robert Schuman IGS Frankenthal am 16. Juni eindrucksvoll vermittelt.
An diesem Donnerstag fand nämlich zum ersten Mal der Interkulturelle Wandertag der Schule statt. Die Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen besuchten einen außerschulischen Lernort, der ein Thema des jeweiligen Lehrplans aufgriff. So besichtigte beispielsweise die Klasse 5 den Speyerer Dom, die Klasse 7 eine Führung über den jüdischen Friedhof in Worms und die Klasse 8 konnte ihr politisch-demokratisches Wissen auf dem Hambacher Schloss vertiefen.
In Klasse 9 wurde in Gesellschaftslehre der Nationalsozialismus und der zweite Weltkrieg behandelt und jetzt sollte mit dem Besuch der Gedenkstätte in Osthofen das Thema abgerundet werden.

Um dies mit einer hohen Schüleraktivität umzusetzen, hatten die Organisatoren den Lokal-Journalisten Mirko Metzler eingeladen, der seine Firma „die knipser“ vorstellte, die er bereits mit 16 Jahren gegründet hatte. Genau wie die 9-Klässler selbst besuchte auch Mirko Metzler eine IGS, allerdings in Osthofen, wo er sein Hobby Fotografieren in einer AG betrieben hat. Im Gegensatz zur Ratlosigkeit bezüglich ihrer Berufswahl wusste er aber schon damals genau, was er werden wollte. Das hat ihm beim Erreichen seiner Ziele maßgeblich geholfen. Und das ist auch seine Botschaft an die Schülerinnen und Schüler: „Tut etwas zum Erreichen eurer Ziele!“
Außerdem wollte er vermitteln wie seriöse Zeitungsarbeit aussieht: sorgfältige Recherche und möglichst objektive, aber auch anschauliche Darstellung der Tatsachen. Abschießend erhielten deshalb die jugendlichen Gedenkstättenbesucher den Auftrag einen Artikel über das KZ Osthofen zu schreiben. Als Anreiz bot Herr Metzler an, den besten Text tatsächlich zu veröffentlichen.

DSC03988Dann begann die Führung mit den Museumspädagogen, die zunächst Grundlegendes berichteten, nämlich, dass das KZ nicht 1933 nicht neu errichtet wurde, sondern das eine leerstehende Papierfabrik dazu umfunktioniert wurde – und das nicht heimlich an abgelegenen Orten wir Auswitsch, sondern mitten im Dorfleben. An einem Zeitungsartikel wurde gezeigt, wie das Wegsperren von Regim-Gegnern ohne richterlichen Prozess so dargestellt wurde, also würde dies zum Schutz der Bevölkerung, ja sogar zum Wohl der Gefangenen geschehen. Die Zeitungsüberschrift lautete deshalb auch „Erziehungs- und Besserungsanstalt“ und auf gestellten Fotos wurde Insassen mit übervollen Essenstellern gezeigt.

Die Wirklichkeit sah natürlich anders aus. Davon erfuhren die Schülerinnen und Schüler beim Rundgang über das Gelände. In der ehemaligen Fabrikhalle wurde erklärt, wo die Häftlinge auf Stroh und ohne Heizung geschlafen haben – wenn sie dazu kamen, da das Licht nicht gelöscht wurde und die SS-Aufseher sie auch oft ohne Grund nachts weckten. Auch das zubereiten der selbst organisierte Speisen erfolgte in der Halle. Meist wurde ein Eintopf gekocht, der so lange mit Wasser gestreckt wurde, damit er für alle reicht, bis er kaum noch Geschmack hatte.
DSC04007Auch wenn das KZ politische Gegner aus dem Weg räumen oder Bedrohungen der Familienangehörigen mundtot gemacht werden sollten, zählten zu den Gefangenen auch einige Juden. Diese hatte besonders unter den perfiden Ideen der SS-Aufseher zu leiden. Sie wurden beispielsweise gezwungen die Jauchegrube der Gefangenen-„Toilette“ – ein Donnerbalken – mit ihrem Essgeschirr auszuschaufeln. Um sie auch von den anderen Häftlingen auszugrenzen, wurden sie danach ohne Waschmöglichkeit zurück in die Schlafhalle geschickt.

Die anschauliche Schilderung derartige unmenschlicher Vorgehensweisen hinterließ bei den meisten Schülern einen tiefen Eindruck des Entsetzens. Es gab eine Gruppe von Schülern, die meinten, dass man mit der dramatischen Vergangenheit Deutschlands abschließen sollte. „Es ist ein Ort, der zum Nachdenken anregt“, schilderte ein weiterer Schüler gegen Ende des Wandertages, da es ähnliche Machenschaften in anderen Ländern auch heute noch gäbe. Eine weitere Schülerin hingegen meinte, dass man dank Orten wie diesem erst sähe, wie gut es uns in einer demokratischen Gesellschaft ginge: „Wir sollten den Menschen dankbar sein, die den Mut hatten dem diktatorischen Regime dieser tristen Zeit, die Stirn zu bieten.“
Viele Schüler wollten wissen, wieso es keine Toten im Osthofener Konzentrationslager gab. Darauf hatten die Museumspädagogen eine einfache Antwort: Gefolterte und Kranke wurde vor dem Schlimmsten „als gesund“ entlassen. So wurden auch die 9-Klässler mit gemischten Gefühlen entlassen. Der gelungene Wandertag auf der einen Seite und auf der anderen Seite die bedrückenden Informationen. Diese gilt es sicherlich im GL und Reli-Unterricht weiter aufzuarbeiten um der Propaganda des Dritten Reichs etwas entgegenzusetzen. Von wegen: „Do is nix passiert!“